Le vent nous portait

Die Nacht vor der Abreise war wunderbar unentspannt. Das Kind und wir wohl ähnlich nervös, so das Ersteres nicht an Schlaf denken mochte und Zweitere nicht schlafen konnten. Bis spät in die Nacht wurde gestrampelt, gebrüllt, gelacht, gegrapscht und gekopfnusst. Zwei Stunden vor Aufstehzeit fand das Kind in den Schlaf, auf halbem Weg ihm zu folgen, wurde ich netterweise von meiner Aufregung überrannt. Für einmal war das Klingeln des Weckers wunderbar, der Mann und ich sprangen gleichzeitig aus dem Bett. Bei mir verschwand dieser Elan bereits beim Anziehen wieder. Der Mann hyperte ein wenig, ich schlurfte. Wäre es nach ihm gegangen, hätten wir uns bereits 6 Stunden vor Abflug am Flughafen befunden, wäre es nach mir gegangen, hätten wir Kaffee trinkend den Flug verpasst.

Um vier Uhr wurde das Kind geweckt, es schaute ganz still mit grossen Augen um sich, wie immer, wenn etwas Ungewöhnliches geschieht.

Das ganze Flughafenprozedere verlief einwandfrei, die einzige Herausforderung für mich bestand darin, dem Mann irgendwie hinterher zu hechten, bepackt mit hellwachem Kind und Handgepäck. Sowas fällt ihm in solchen Situationen nicht auf und ich kam leider nie genug nah an ihn ran, um darauf Aufmerksam zu machen.

flugi

Kurz nach dem Start war das Kind, mit Hilfe einer papaschen Fussmassage, auf meinem Schoss eingeschlafen. Wir wechselten einen Siegesblick, klopften uns auf die Schulter, lächelten glückselig und lehnten uns entspannt zurück. Ha! – Reisen mit Kind, ein Kinderspiel für uns Supereltern.

Eine halbe Stunde später schlug das Kind die Augen auf und war ab diesem Moment hell wach und voller Tatendrang. Sitzen wurde schnell langweilig, es blieb also nur noch der schmale Gang, auf dem die Toilettengänger wandelten. Kreuzen so gut wie unmöglich, sogar für das Kleinkind. Wenn das Kind quengelt und sich auf dem Sitz windet, sind zuerst Toilettengänger-Lücken auszumachen. Sobald eine solche gefunden, sprintet man den Gang nach vorne oder hinten, je nach dem wo man sitzt, ich empfehle die längere Strecke zu wählen, setzt das Kind ab und lässt es zurück robben/laufen. Das Kind wird mit grösster Wahrscheinlichkeit auf viel Zuneigung stossen. Nachdem man dies zwei, drei Mal gemacht hat, kann man das Kind getrost alleine losziehen lassen. Es wird sehr gut versorgt, hochgehoben wenn ein Toilettengänger naht, bespielt, ernährt und von heranrollenden Servicewägen gerettet. Man kann sich zurücklehnen, ausatmen, kurz die Augen schliessen. Irgendwann schreits dann von irgendwo „Mama“, man streckt den Kopf in den Gang und schon zeigen von überall Finger auf einen und die Passagiere rufen im Chor: „Schau, da ist deine Mama.“

Der Wind war auf unserer Seite und hat unseren Flug von 6 auf 5,5 Stunden verkürzt.

Beim Verlassen des Flugzeuges schlägt uns eine feuchte Wärme entgegen. Augenblicklich beginnen wir zu schwitzen. Das Kind macht wieder grosse Augen und ist ganz still. Der Flughafen ist klitzeklein, bei der Passkontrolle werden wir vorgelassen, „wegen dem Baby“, sagt der Mann und lächelt strahlend.

Während wir auf unser Gepäck warten, freundet sich das Kind mit zwei Angestellten an. Zielstrebig robbt es auf die Beiden zu, bleibt vor ihnen sitzen, legt den Kopf in den Nacken und schaut sie lange an. Die Frauen lachen und winken. Das Kind berührt Fuss und Bein der einen Frau etwas zaghaft mit einem Finger, lacht dann, streckt die Arme aus und wird sogleich hochgehoben.

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3 Gedanken zu “Le vent nous portait

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