Le vent nous portait 2

Die Reise nach Santiago beginnt um halb 11. Ein Taxi kommt uns abholen, beladen mit viel Gepäck und unserer belgischen Bekanntschaft, ein Paar mit 8-monatigem Baby. Es gibt also sowas wie einen Kinderausflug. Das  belgische Baby schläft in seinem Maxicosi, das Kind lacht den Papa aus, der hinten auf der Ladefläche vom Wind verweht wird.

Viel zu früh sind wir am Flughafen, das Baby schläft noch immer, das Kind geht auf Erkundungstour und hängt sich an die Fersen eines chips -essenden, etwa 2 jährigen Mädchens. Der Mann, die Belgierin und ich sitzen um das Gepäck herum, während der Belgier jeden noch so kleinen Winkel des Flughafens auslotet, immer wieder zur Anzeige rennt, wo unser Flug und das Check-in angezeigt werden (es gibt genau 2 Check-in Schalter), irgendwas im Gepäckberg wühlt, das Flughafenpersonal mit wohl immer denselben Fragen nervt… Die Belgierin nimmt es mit Humor und geübter Gelassenheit. Dann endlich wird unser Flug aufgerufen und augenblicklich stürmt der Belgier mit Kind, Frau und Gepäck im Schlepptau von dannen. Wir bleiben etwas benommen zurück und bewachen weiterhin uns anvertrautes Gepäck. Das geht für drei Minuten gut. Dann beginnt der Fuss des Mannes zu zucken.

Mann: Ich hole jetzt die Gepäckbesitzer, es ist Zeit!

Ich: Nee, lass mal, die kommen bestimmt bald, müssen ja auf denselben Flug.

Zehn Sekunden später selber Dialog noch mal. Zwanzig Sekunden später:

Mann: „Also jetzt hole ich die!“

Abgang.

Ich atme dreimal tief durch und meditiere so lange, bis ich wieder Hindukuh bin.

Kaum zurück, stellen wir uns also in die Reihe. Der Mann zappelt, späht über die Köpfe, etwas panisch:

„Ich kann die Belgier nicht mehr sehen!“

Dann ist es ruhig bis wir am Schalter sind. Wegen des Kitegepäcks haben wir natürlich zu viel Gewicht. Ich lasse den Mann am Schalter allein, da das Kind wie am Spiess schreit. Als ich mich wieder umdrehe, sehe ich den Mann gerade noch in entgegengesetzte Richtung verschwinden. Ich hechte also hinterher, hole ihn ein und Frage im Laufschritt, was denn wäre. Er zischt unverständlich. Ich schweige aus Erfahrung.

In einem Büro müssen wir das Übergepäck bezahlen, was etwas dauert. Zurück zum Schalter, wo wir unsere Tickets bekommen und dann endlich durch die Passkontrolle. Mein Handgepäck wird geöffnet, eine Tube Sonnenmilch hervorgeholt. Die Frau fuchtelt herum und sagt etwas, ich verstehe Bahnhof, bin wohl schwer von Begriff, zeige auf das Kind und hoffe auf Mamabonus. Der Mann verliert nun etwas die Fassung und schreit fährt mich an: „Jetzt schmier dir endlich die verflixte Sonnencreme auf die Haut“. Ich gehorche widerwillig, die Frau nickt mir zu, legt die Tube zurück in meinen Rucksack  und wir können gehen. So einfach.

Der Flug im kleinen Propellerflugzeug ist kaum der Rede wert, kaum gestartet wurde schon wieder gelandet, das Kind schaffte es trotzdem, kurz einzuschlafen. Nun sind wir also in der Hauptstadt.

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6 Gedanken zu “Le vent nous portait 2

  1. Meine drei Lieben
    Ich habe nur schon beim Lesen der abenteuerlichen Reise nach Santiago angefangen zu hyperventillieren…
    Die Bilder sind herrlich!
    Hoffentlich habt Ihr in der Zwischenzeit ein behagliches Zuhause gefunden!
    Geniesst die schöne Zeit!
    Herzlichst aus dem nebligen Nidau
    Syle

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  2. Hallo liebe Schweizer!
    Hier spricht Eure Nachbarin aus dem Appartment-Komplex:) (Caro; haben wir uns eigentlich mal mit Namen vorgestellt?!) ! Wie geht es Euch? Ich finde es super, dass Ihr/Du diesen Blog macht, finde es sehr spannend Euren weiteren Weg nachzuverfolgen.

    Als wir in Tarrafal ankamen hat sich ein bisschen was verändert. Das Strandrestaurant hatte geschlossen (für eine Woche), aber dafür gab es eine Strandbar. Also gab es Caipis statt Fisch und das war auch ziemlich gut.

    Mittlerweile ist Constanze wieder zurück in Hamburg und ich auch zurück im kalten Berlin. Bin gespannt auf den nächsten Bericht. BoaVista ist übrigens recht gut beschrieben:).

    Bis dahin und eine gute Reise!

    Liebe Grüße

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    • Hallo liebe Deutsche 🙂
      es freut mich sehr von Dir zu lesen! Wir sind nun in Tarrafal – ihr habt uns nicht zuviel versprochen! Das Strandrestaurant haben wir irgendwie nicht gefunden, vielleicht ist das noch immer geschlossen. Aber Caipis anstatt Fisch ist wirklich auch ziemlich gut! Herzliche Grüsse nach Berlin

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  3. Juhuu, Dir liebe Wältebummler

    Gopfertoori, machet ändlech öppis gäge mini S.D.F.-Sucht. I bi definitiv uf Entzug!
    😄
    Nidou hofft, es göi nEch guet!
    E sunnige Gruess usem Näbu
    D Scheichehochlagerigssyle😘😎

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