Die Mama von gestern

Im letzten 7 Sachen Post habe ich erwähnt, dass ich den Satz „man schaut mit den Augen, nicht mit den Händen“ aus meiner Kindheit mitgenommen habe und dass er nicht zu den Dingen gehört, die ich an mein Kind weitergeben möchte. Meine Mutter hat darauf auf Facebook reagiert: …jaja die Mama von gestern hat so vieles falsch gemacht. Zum Glück kann es die Mama von heute besser machen. Das hat mich verwirrt und zum Nachdenken angeregt. Ich habe explizit „Satz aus meiner Kindheit“ geschrieben, denn ich habe ehrlich keine Ahnung, von wem ich ihn habe. Tatsächlich von der Mutter? Vom Vater? Von Beiden? Von den Grosseltern? Von Frau Schwarz, meiner heissgeliebten Kindergärtnerin? Vom Zappelphilipp, mit dem ich ganz viel gespielt habe (und der so hoch schaukeln konnte, dass er einmal rund herum kam, was mir nun aber niemand mehr glauben will, so dass ich es langsam selber anzweifle). Es ist ja schon interessant, dass sich die Mütter so schnell verantwortlich für etwas fühlen. Es scheint, als wäre in unseren Köpfen verankert, dass die Mutter Schuld hat. Am Glück und Unglück ihrer Kinder und weil die Kindheit prägend ist, eigentlich am ganzen Glück und Unglück des Lebens. Woher kommt das? Und verschwindet es nun langsam, bei den Mamas von heute? Beeinflusst von neuen Familienmodellen, mit Vätern, die anwesend sind? Die aktiv den Alltag mitgestalten? Von mehr Betreuungsmöglichkeiten? Ich hoffe es. Es ist wahr, dass mich meine Mutter in meiner Kindheit am meisten geprägt/beeinflusst hat. Meinen Vater sah ich jedes zweite Wochenende, wenn überhaupt. Mein Umfeld hat sich wegen häufigen Umzügen oft geändert, langjährige Freunde hatte ich nie. Meine Kindheit bezeichne ich als glücklich, ich habe meine Familie immer als die beste Familie, die man haben kann, empfunden. Irgendwann begann ich gewisse „Familienmuster“ zu hinterfragen, entdeckte neue Wege für mich, die besser zu mir passen. Das nennt man wohl „Erwachsen werden“. Falls ich jemals meine Mutter für mein Glück oder Unglück verantwortlich gemacht habe, so war das in Phasen krassester Pubertät. Ansonsten fühle ich mich eigenständig genug, mich selbst um mein Glück oder Unglück zu kümmern. Meine Mama hat meinen „Kindheitsrucksack“ in bestem Wissen und mit Liebe gefüllt – es ist meine Entscheidung, was ich mittrage und was nicht. Ja, die Mama von gestern hat Fehler gemacht. Zum Glück kann es die Mama von heute anders machen (und ihre eigenen Fehler begehen.)

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2 Gedanken zu “Die Mama von gestern

  1. Ja, da bin ich ganz Deiner Meinung. Authentisch sein, denn wer sich verbiegt wird krumm. Und niemand bemerkt das schneller als Kinder. Liebe Grüsse und ganz viel Wärme!

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