Saisonstart in Wort und Bild

Am 1. April wollten wir in unseren Wagen einziehen. So lautete der Plan. Dann kam der Niklas und zerstörte mal einfach so unser Vorzelt. Der Mann verfiel ein wenig in Panik ob dem nahenden Regen und dem neu erstandenen Sofa (er hat zähen Whats-app Kontakt mit einem Teeniesofabesitzer geführt, allein die erste Nachricht lautete so: Hey mann, wer bist du? Ich bin Rom.  Er hat das tapfer durchgezogen und wir haben nun ein Sofa, das auf den Zentimeter genau passt.)

Seine Panik war also ganz verständlich, nicht aber sein Vorhaben, ein neues Vorzelt zu kaufen (für 2000 Franken um ein 50 Fränkli Sofa vor dem Wassertod zu retten?) Also habe ich notdürftigen Unterschlupf bei einem Mobihaus für mich und meine Nähmaschine gesucht und geflickt, was es zu flicken gab. Ich nähte mit meiner Plastiknähmaschine was das Zeug hielt über die dicken Zeltplanen, mit den herannahenden Regenwolken um die Wette. Es ist geglückt – keiner weiss wie. Und der Mann lobt mich nun in den Himmel und findet keinen Punkt mehr.

Palme nähen

Am 3.April öffnete der Campingplatz seine Tore und Türen, zu Gast waren ziemlich allein Niklas Nachzugsbrüder und einige verwegene Stammgäste. Nach der ersten Portion Pommes war es beinahe so, als ob ich nie weggewesen wär. Mit dem Frittieren ist es wie mit dem Fahrrad fahren – das verlernt man nie(haha).

Am Sonntag sind wir dann endlich in unseren Wagen eingezogen, der Mann arbeitete, das Kind und ich haben Hausfrau gespielt, geputzt, eingeräumt, gedekoriert – und es hat sogar noch gereicht um Blätter und Gräser zu pflücken.

IMG_0758

Abends um zehn bei Minustemperaturen haben wir Eier gefärbt, mit Kurkuma, Randensaft, hübschen Blättern und schwarzen Strümpfen.

eierfärben

Eierfärbexperten werden nun wohl laut „phu“ rufen, aber ey, es war unser erstes Mal. Gelernt haben wir: Die Supermärkte verkaufen nicht ohne Grund beige Strümpfe zur Zwiebelschale. Schwarze Strümpfe färben nämlich ab. Trotzdem haben wir tapfer 26 Eier gefärbt-kocht und über verschiedene grau-schwarz-urin-gelbe Farbnuancen gestaunt. Irgendjemand kam dann auf die Idee, mit den Filzstiften noch ein bisschen nachzuhelfen:

eier

Wir schliefen herrlich erschöpft durch die bitterkalte Nacht, bis wir morgens von einem tropfenden Geräusch geweckt wurden. Der Mann streckte den Kopf aus den Wagen, schnellte mit einem lauten „Oh“ zurück. Ich blinzelte kontaktlinsenlos nach draussen und sah natürlich genau nichts. „Es regnet im Vorzelt“, klärte mich der Mann endlich auf. Kondenswasser vom Eierfärben, über Nacht gefroren, aufgetaut durch die ersten Sonnenstrahlen – ein schönes Erwachen. Wir können Regen machen!

Der Ostermontag stand ganz im Zeichen von Eiern, Schokolade und Kaffee – zum ersten Mal seit vielen Jahren zelebriere ich etwas osterähnliches. Mit dem Kind und vor allem für das Kind.Einen Hasen im Ei versteckt (und heimlich gelacht).

osterei

Ein Frühlingsfest. Mit erblühenden Zweigen auf dem Jahreszeitentisch. Viel Besuch, Sonne, Lachen und Wärme im neuen Zuhause. Glück, Teil davon zu sein. Und dieses Gefühl, am richtigen Ort zu sein. Am Morgen vom Vogelgezwitscher geweckt zu werden. Das Kind schlägt die Augen auf, lächelt uns an und sagt sogleich: „Anziehen. Raus gehen.“ Und geht Steine klauen bei den Nachbarn, die noch nicht da sind, und kocht sie uns zum Frühstück.

küche

Ob so viel Glück vergesse ich sogar die lauwarme Dusche unter sozusagen freiem Himmel, die mir eher animalische Geräusche entlockt. Und ehrlich, wer muss schon duschen, wenn der Schweiss sowieso spätestens bei Sonnenuntergang einfriert?

sonnenuntergang

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