Unterwegs Schweiz- Vinyols

Zugvögel

Geplant war unsere Abreise enthusiastisch um 6 Uhr in der Früh. Nach einer schlafarmen Nacht (wieso müssen meine Nächte vor Abreisen eigentlich immer, wirklich immer, schlaflos sein?!), verpenntem Kaffee und halbherzigen letzten Packversuchen, tuckerten wir gegen halb neun los Richtung französische Grenze.

Kinderlieder lullten uns ein, so richtig fit schien nur das Kind zu sein. Der Mann fuhr, ich döste, das Kind sang. Irgendwann nach der Grenze gabs Baquette, Pain au Chocolat, Spielplatz, komatösen Schlaf für mich (ich fand, das Kind müsse genau so müde sein wie ich, das Kind fand das gar nicht. Es gab Tränen, beidseitig fast, ich trotzte und das Kind meinte: Mama, Du kannst ja schlafen wenn Du willst, aber ich bin wach und spiele. Ich gab mich geschlagen ob soviel zweijähriger Vernunft, rollte mich ein, lutschte am Daumen und schlief.

Später ein herbstlicher Spaziergang in einem videoüberwachten Provinzdorf, wo es nichts zu sehen gab ausser hohe Mauern und Gitter. Den Abend verbrachten wir wieder auf der Autobahn, im Dunkeln parkten wir irgendwo in einem Quartier vor Montpellier und verbrachten unsere erste Nacht. Angesteckt von der freudigen Aufregung des Kindes herrschte wunderbare Lagerstimmung und wir flüsterten uns in den Schlaf.

Am Morgen fuhr der Mann den „Topf“ platt – dies sollte im Leben des Kindes für die nächsten Tage ein belustigendes Highlight bleiben, zumal es eine sehr Intressen deckende Geschichte war. Und wer sowas noch nie gesehen hat und unbedingt nun sehen will, bitte sehr. Das er nicht leer war, und das wir den nicht liegen liessen, muss ja nicht extra erwähnt werden.

häfi

Nach erneutem Konsum von Baquette und Pain au Chocolat fuhren wir in den Tag hinein. Die Route du Soleil führt über eine Hügelkette, also wahrscheinlich über mehrere, aber diese eine ist ganz speziell, denn von dort aus kann man zum ersten Mal das Meer sehen und riechen. Ein Ort, an den meine frühen Kindeheitserinnerungen zurück reichen und der mir vielleicht genau deswegen leichte Gänsehaut beschert, ein Gefühl von Freiheit, Reiseglück und Lebenslust gibt. Jedes Mal wieder.

In einem authentischen südfranzösischen ehemaligen Fischerdorf, nun Sommertouristenhochburg und jetzt wintertot, verbrachten wir den nebligen Nachmittag am leeren Strand. Wer braucht schon Sonne, wenn er Meer hat?

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Gegen Abend erreichten wir Spanien und waren überrascht, wie sich mit der Landesgrenze abrupt die Landschaft und der Baustil änderte. Man mag es mir verübeln, aber ich freute mich kindlichst darüber. Ohne fundierte Gründe, trotz wirklich zahlreichen Aufenthalten und unumstritten schönen Orten und Erlebnissen, trotz Pain au Chocolat und allem, will mir Frankreich einfach nicht so richtig lieb werden.

In einem kleinen Kuhdorf irgendwo vor Barcelona, das wie eine kleine Festung wirkte, manövrierten wir den  klobigen Bonzo durch enge Gassen, lauschten katalanischem Redefluss, fütterten junge Katzen und schliefen mit einem leichten Mistgeruch in der Nase seligst ein.

Am nächsten Tag vertrödelten wir nicht viel Zeit, fuhren wie gewohnt auf nebliger Autobahn zum ersten vorher geplanten Ziel, dem Campingplatz in Vinyols. Die Sonne drückte durch, Horden von Kinder rannten in  Gruppen über Wiese, Spielplatz und um den Teich. Wir wurden freundlich empfangen, das Kind blieb gleich beim Spielplatz kleben, für den Bonzo bekamen wir einen Platz in den Haseln.

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Der Platz beherbergt eine handvoll Tiere, sowie viele viele Obstbäume, von welchen man sich einfach bedienen kann.

mandarindli

kutscheblog

 

Truthahn

 

 

Wir verbrachten den Nachmittag mit Tiere streicheln, Kutsche fahren, Truthahngesichtern studieren, Nüsse knacken, Mandarinen pflücken und dem regen sonntäglichen Treiben zu sehen. Die Besucher des Biocampings sind eine sich kennende, spanische Gemeinschaft, kinder- und babybauchreich, zwar etwas laut aber ganz friedlich. Ein Platz zum Empfehlen und total unbekannt, Touristen sind eher ungewohnt. Um sechs Uhr bekamen wir, trotz grosser Verwirrung ob der „ungewöhnlichen“ Zeit ein tolles Abendessen mit Produkten vom Hof serviert.

Hier gehts zur Webseite klick.

 

Entdeckungen

  • das Kind ist auch mit 2 noch sehr reisetauglich
  • kinderfreundliche Autofahrzeiten sind unserer Empfindung nach morgens und abends, nachmittags lassen sich Sachen unternehmen, die Zeit im Auto kommt einen weniger lang vor
  • mehr als eine Kinderlieder-CD mitzunehmen macht Sinn
  • ein essender Mund schreit nicht
  • der Bonzo ist lieb, schlafen im Auto macht Freude
  • wir können gut mit wenig Platz
  • ich finde schon die Auswahl in schweizerischen Lebensmittelgeschäften zu gross, aber in Frankreich und Spanien ist das nahezu abartig. Wir stehen dumm rum, verirren uns, kriegen Kopfschmwerzen, brauchen ewig und die Essenslust verschwindet. Wieso dieser Überfluss?
  • Mandarinen vom Baum sind tausendmal gut
  • Lastwagen hupen, wenn Kinder winken
  • unsere treuen Begleiter sind Zugvögel und Nebel

lastwagen

 

 

 

 

 

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