Autos und Frauen

Guten Tag 

Aus aktuellem Anlass sehe ich mich veranlasst einen weiteren Gastbeitrag zu schreiben. 

Nach einer kleinen Fahrradtour kehrte ich beim Japaner ein, bei dem wir schon seit ein paar Tagen mal essen wollten. In erster Linie um zu sehen, ob das Restaurant trotz Baustelle vor der Tür geöffnet hat. Dort angekommen, beschloss ich mir einen Kaffee solo zu gönnen. Also rief ich meine Frau an und frage sie, ob es in Ordnung sei wenn ich hier auf sie und Kind warten würde.

Ab hier driftet dieser Text ein bisschen in Klischeereiterei ab. Aber es gibt Dinge, die sind einfach Klischee, weil sie so sind. Der kleine Sozi in mir sagt nun „Das kann man nicht schwarz/weiss sehen.“ „Das kann man nicht verallgemeinern“ „Du musst differenzieren“. Tja der Sozi soll mal ruhig sein, hat sowieso keine Ahnung vom richtigen Leben. Hätte doch besser was anständiges studiert, Psychologie, Theologie oder Geschichte. Also zurück zum guten alten Schubladendenken.

Ich fragte also meine Frau, ob es in Ordnung sei, wenn ich beim Japaner auf sie warten würde.

„Ist schon gut, dann komme ich halt alleine mit Auto und Kind“

Ich sagte ihr, dass ich jetzt unsicher sei, da ich das Gefühl habe sie möchte, dass ich sie abholen komme.

„Nein nein bleib du nur dort und mach es dir gemütlich. Ich komme schon klar.“

Naja, das war jetzt auch nicht die Topantwort und ich hatte immer noch das Gefühl, dass sie lieber abgeholt werden würde. Ich sagte, sie könne sich frei entscheiden und ich sei gerne bereit sie zu holen.

„Nein ich habe ja gesagt es sei in Ordnung!“

Gut – Ich installierte mich, bestellte meinen Kaffee solo. Es stellte sich dieses wonnige Gefühl ein wie man es manchmal fühlt, wenn man in den Ferien ist und einen guten Kaffe geniessen kann. In Ruhe, eins mit der Welt. Ich fühlte mich gut und begann mit dem Restaurantbesitzer zu plaudern. Irgendwas über die Baustelle….. Mein Telefon klingelte…. Die Stimme meiner Frau klang ein wenig gestresst. Sie habe das Auto beim Verlassen des Parkplatzes in der Tiefgarage um einen Pfosten gewickelt. Nun wisse sie nicht mehr, ob sie vor oder zurückfahren solle. Sie habe das Auto stehen gelassen, da es so verkeilt sei, dass jede weitere Bewegung es zerstören könnte.

Scheisse. Kaffee runter. Zur Theke.“Hier mein Natel als Depot, habe kein Geld, muss zu Frau, hat Auto demoliert, braucht Hilfe.“ Der Restaurantbesitzer schaute mich an und sagte, dass ich kein Depot hinterlassen müsse. Ich könne den Kaffee beim nächsten Mal bezahlen. Wenn nicht heute, dann morgen. Er hängte noch ein mitfühlendes „Mujeres“ an.

Ich nahm mein Fahrrad und stresste den Hügel hoch Richtung unserer Wohnung. Unterwegs kamen mir die übelsten Bilder in den Sinn. Ich rechnete mit dem Schlimmsten – Game Over für Bonzo – schliesslich ist meine Frau nicht gerade zimperlich was das Autofahren angeht. Nein, sie ist diejenige, welche mich ab und zu meines passiven Fahrstiles rügt. Es verhält sich tatsächlich so, dass wenn sie am Steuer sitzt, wir von keinem einzigen Auto überholt werden. Bin ich am Steuer, fragt mich meine zweijährige Tochter schon mal, ob ich nicht endlich auch mal was überholen könnte. Bin ich eher eine lahme Ente ist sie sozusagen der Kampfjet unter den Automobilisten. Ein Bomber mit Feuerfreigabe. Mein Vater kann ein Lied davon singen. Als sie beim rückwärts Parken sein Auto rammte. Dies vor seinen Augen und trotz seiner Schreie. Sie stieg dann ruhig wie eine Hindukuh aus, schaute in sein hochrotes Gesicht und sagte „Sorry, habe dich nicht gehört weil die Kleine im Sitz neben mir schrie. Auto habe ich nicht gesehen, weil ich den Schnuller suchen musste. Was gibts denn zu essen?“  Diese Ramboattitude lebt sie dann auch im öffentlichen Strassenverkehr, was mich gelegentlich zu quietschenden Warnlauten veranlasst und mich nachts nicht mehr ruhig schlafen lässt.

Ich kam also bei der Wohnung an, schweissgebadet, mit geweiteten Pupillen. Meine Frau öffnete die Tür, sie war wieder ruhig wie eine Hindukuh. Meine Nackenhaare stellten sich auf.

In der Tiefgarage sah ich unseren Bonzo. Er hatte das Parkfeld halb verlassen und blockierte nun die gesamte Durchfahrt. Die Fahrertüre und die Schiebetüre standen beide noch offen. Ich spürte Erleichterung nichts brannte, keine Glassplitter waren zu sehen. Nur Kratzer. Ich stieg ein, Schlüssel steckte noch. Ich warf den Motor an und setzte zurück. Das Metall löste sich vom Pfosten. Ich fühlte mich ganz Mann. Mit geschwellter Brust stieg ich aus dem Auto. Ein Spanier kam gelaufen und sagte, dass er das Auto gesehen habe und sich denken konnte was passiert sei. Ich sagte ihm „Mujeres“. Dies liess sein Gesicht erstrahlen und er fing an mir Ratschläge zu geben, wie man das Auto reparieren könnte.

Kratzer

Anschliessend gingen wir doch noch zum Japaner essen. Ich fuhr. Im Restaurant wurde meine Frau freudig begrüsst. Auf dem nach Hause Weg sagte meine Frau zu mir „Ich habe dir ja gesagt, dass ich nicht in dieser Tiefgarage fahren will.“ Mein Fehler also. Dem Frieden zu Liebe sagte ich gar nichts…..

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3 Gedanken zu “Autos und Frauen

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