Fuengirola

drehen

Ein bisschen überrissen mag es vielleicht sein, die diesjährige Reise als solche zu bezeichnen, denn erklärtes Ziel war ja, in Andalusien eine Bleibe für etwa 2 Monate zu finden. Die eigentliche Reise beschränkt sich somit genau genommen auf die insgesamt 4`oookm des Hin- und  Rückwegs.

Wenn ich irgendwo hin reise, habe ich stets Bilder im Kopf, ziemlich genaue, ausgelöst durch den Klang eines Namens, obwohl mich meine Erfahrungen eines besseren belehrt haben sollten.  Aber ich mag diese Illusionen und bin auch selten enttäuscht, eher überrascht, dass es so anders ist.

In meinem Kopf jedenfalls leben wir im südlichsten Zipfel Andalusiens in einem mittelgrossen Dorf, in einem weissen Haus direkt am Meer, eingebettet in einer Bucht und umgeben von wilden, kargen Felsen. In unmittelbarer Nähe von einem wunderbaren Berg, auf dem der Mann wunderbar glücklich mit seinem Mountainbike wunderbare Wege befahren kann, was, nebenbei bemerkt, nicht unbedeutend für das allgemeine familiäre Wohlbefinden ist.

Wir sind in Fuengirola gestrandet. Die Suche nach einem Domizil hat sich als schwieriger erwiesen als gedacht, da die Küste sehr dichtbesiedelt ist. Es ist zugegeben auch naiv zu denken, Orte wie die Costa del Sol seien nicht dichtbesiedelt. Das unserem Budget angepasste Wohnraumangebot beschränkt sich zudem vor allem auf hamsterartige Apartments in schwindelerregender Höhe mit Sardellenduschkabinen, in der ersten Reihe mit Meerblick. Kennt man ja, diese Landschaftsverstümmelungen. Dann gab es noch „Blender-Stadtwohnungen“, weiss gestrichen,  mit ein paar Designerstühlen bestückt – und wenn man hustet fällt einem die Deckenlampe auf den Kopf.

Fuengirola ist eine Stadt, eine grosse Stadt für schweizerische Verhältnisse . Unsere Wohnung liegt am Stadtrand, gehört einem alten, finnischen Paar und mit etwas Glück kann man vom Balkon aus einen Streifen Meer erblicken. Interessiert uns aber nicht wirklich.

badenimdezember

Die Tiefgarage ist dunkel, eng –sehr,sehr eng und böse. Die Einrichtung etwas altmodisch, aber ganz gemütlich, die Finnen scheinen eine Vorliebe für Afrika zu haben, soviel lässt sich dazu sagen. Hoffen wir, es bleibt etwas davon übrig, denn das Kind übt sich in systematischer Zerstörung.

Die Nachbaren sind entweder nie da oder immer da. Und die, die immer da sind, singen. Wobei singen untertrieben ist. Sie brüllen Arien. Zu Beginn dachten wir, sie streiten sich – vorwiegend in langgezogenen Vokalen – gewöhnungsbedürftig, aber warum auch nicht. Dann dachten wir, eines der Kinder hätte eine Behinderung. Bald aber mussten wir feststellen, dass, wenn es sich hier um eine Behinderung handeln sollte, die ganze Familie behindert sein müsste, denn alle Familienmitglieder brüllen, allein, im Duo, Trio oder Quartett.  Mit der Zeit liessen sich gewisse Arienbrüllrituale erkennen – so beispielsweise die „der-Mann-kommt-Nachhause- Arie“, eine Art affektiertes Begrüssungsritual. Ich bin entnervt, der Mann forscht weiter. Ich sage böse Dinge, wenn ich ob einer Arienspitze aus dem Schlaf schrecke, der Mann sucht weiter nach Erklärungen und findet, so merkwürdig seien die ja nicht. Er denkt auch, der Nachbar könnte Opernsänger sein. Ich denke, der Mann war noch nie in der Oper. Vorallem denke ich an die Kinder und an ihren ersten Schultag, wenn sie beim Betreten des Schulzimmers zur Begrüssung eine Arie in den Raum schmettern.

Wir brauchten einen Moment der Eingewöhnung, da uns die Zeit im Bonzo und das Unterwegs sein sehr gut gefallen haben. Ankommen schmeckt ein bisschen schal und riecht nach Alltag. Ist es in diesem Fall aber überhaupt nicht. Ausserdem gibt es hier tolle Spielplätze mit integrierten Cafeterias und das ist aus Elternsicht nun wirklich so ein bisschen wie der Himmel auf Erden.

Piraten

Erkenntnisse

  • Küsten wie diese sind nicht unbedingt einsam
  • es gäbe Google-earth
  • die Costa del Sol wäre im Sommer unser persönlicher Alptraum
  • Nachmittags an der Sonne kann man bikinen
  • haben wir mehr Raum, haben wir mehr Chaos

chaos

  • so viel Familienzeit macht glücklich
  • exotische Entdeckung: grüne Papageien(liebe). 

papageienliebe

Kinderweisheit

„Wer Knete hat, dem gehört die Welt (denn er kann sich alles erkneten).“

knete

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