Woche eins im Rückblick

Die erste richtige Begegnung in Italien hatten wir auf dem Weg zum Bus nach Portofino. Eine alte Frau mit Hund kam uns entgegen. Ana hielt mit ihrem Zweirad neben mir und raunte mir aufgeregt zu: „Mama, schau mal diese uralte Frau (sie ist sehr fasziniert von älteren Menschen, uralt zählt zu ihren Lieblingsbegriffen), ob die jetzt italienisch spricht?“ Kaum gesagt, sauste sie schon auf die beiden zu, bremste kurz vor knapp und schrie grinsend „Buongiorno – weisst Du, Du alte Frau, dieses Wort habe ich in meinem Kopf.“

Woche eins stand ganz im Zeichen grippaler Erkrankungen, die uns reihum in unterschiedlicher Intensität heimsuchte. Den Mann hat es ungleich schwer getroffen. Er war zu Recht der Einzige, der halbstündlich seine Körpertemperatur mass und die Ergebnisse quer durch den Ernst raunte. Bei 37,8 Grad versagte ihm die Stimme.

An die neue Lebenssituation haben wir uns im Handumdrehen und dermassen reibungslos und friedlich gewöhnt, dass ich immer noch auf den grossen Zoff warte. Wir lieben unseren Ernst, er ist uns sehr schnell zum Zuhause geworden. Es ist herrlich entspannend, alles immer dabei zu haben und er ist sozusagen der ruhende Pol im stetigen Wandel. Im wahrsten Sinne des Wortes; an seine Impotenz haben wir uns jedoch gänzlich gewöhnt, schliesslich wird so zwangsläufig der Weg zum Ziel.

Weil wir uns das Leben im Wohnwagen gewöhnt sind, war die Umstellung kaum von Bedeutung; wir meinen jedoch, im Ernst mehr Staumöglichkeiten zu haben. Einige Schränke sind jedenfalls noch leer. Ana macht das Autofahren nichts aus, sie hört sich mit den Kopfhörern Geschichten an, spielt oder schaut auch einfach mal aus dem Fenster. Elle hingegen hält nichts von Fahrten über 30 Minuten; wollen wir uns nicht äusserst penetrantem Gemotze und Geschrei aussetzen, sind ihre Schlafphasen abzuwarten. Dennoch stimmt sie zuverlässig ihr Gebrüll auf den letzten paar Kilometer vor Ankunft an. Wir fahren meistens 2-3 Stunden pro Tag; haben jedoch auch schon zwei Pausetage eingelegt.

Da ich ziemlich in Berichterstattungsverzug bin, handle ich die besuchten Orte schluderig in Stichworten ab:

 
Portofino

Winterschlaf, ein dutzend Touristen, extravagant, malerisch, klein, überschminktes französisches Paar mit grünen Papageien auf den Schultern, leer, schöne Fassaden, überteuerte Lasagne – mutmasslich aus der Dose, erste Krankheitsanzeichen

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Pisa

Krankheitshöhepunkt, Strand vom Militär besetzt, Husten, Handgranaten, Gliederschmerzen, Maschinengewehrsalven, viel Schlaf, Schweissausbrüche, erster Lebensmitteleinkauf, Olivenhimmel, Kopfschmerzen, der schiefe Turm von weitem für zwei Sekunden bei Durchfahrt

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Florenz

Regen,Campingplatz, Internet, Kinderduschen, keine Mütze mehr notwenig zur Kaschierung überfetteter Haare, Heiserkeit, Waschmaschine, kein Juckreiz mehr auf Kopf, lange Busfahrt in falsche Richtung,Regen, Dom, bewaffnete Männer, Dom sogar von Innen, Dom von Innen ohne Quengeln (vom Mann oder Ana), Kerze für Momi, laufradfahrende Ana, schmale Gässchen, Pizza, schlafende Elle auf Rücken, Karussell, geschlossene Kapelle, viele Gässchen, wenige Menschen, kurze Distanzen, erträgliche Stadtmuffel (Mann und Ana), Seifenblasen als Highlight, Gelati, Rückkehr in Dunkelheit

 


Orvieto

Regen, wüster Lärm von Hochgeschwindigkeitszügen, Seilbahn zur Altstadt, noch mehr Regen, atypisch ungeniessbaren Kaffee, kaum Menschen, prächtiger Dom, bewaffnete Männer, fotografierender Mann, galoppierende Ana (ich bin ein Einhorn und flatuliere Regenbögen???! ), schlafende Elle, nicht mehr zu stoppende Ana, hinfallende Ana, Abstieg zu Fuss, dschungelartiges Gewächs, weiter Weg, frühes Zubettgehen

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9 Gedanken zu “Woche eins im Rückblick

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